Rockabilly

Heute wird es richtig leer in meinem Tourbus. Normalerweise leisten mir ja ein paar Sachen immer Gesellschaft… der moog und die Gibson und so. Aber heute brauchen die Jungs das alles, weil sie mit Pay-TV spielen wollen. Eigentlich ist das mal ganz schön, alleine zu sein. Der Lange (so nennen wir den elektrischen Kontrabass) meckert schon die ganze Zeit immer rum, wenn er nicht mit raus darf. Und auf die Dauer finden meine Freundin Gibson und ich das nicht so lustig. Er wird sich da wohl nie dran gewöhnen, dass er nicht die Nummer eins ist und deswegen zickig sein. Aber: Psst, nicht so laut. Das kann ich jetzt nur erzählen, weil sie ihn schon reingetragen haben.

Ich habe Glück, ich kann von hinten in den Club reingucken. Da liegt der Lange in seiner Kiste und muss warten, dass er gebraucht wird. Scheinbar schimpft er schon wieder, moog hat gerade die Augen verdreht und mir zugezwinkert. Oh, da kommt gerade noch so ein Transporter mit Zeug drin. Da bin ich jetzt mal gespannt…

Holla. Das müssen die Leute von diesem Lee sein. Wieso haben die denn noch Preisschilder an dem Schlagzeug dran? Mannomann, das sieht noch ganz neu aus. Und das ist offensichtlich ganz schön arrogant, das Ding. Vor allem diese riesige Bassdrum guckt mich ganz hochnäsig an. Ich sag mal lieber nichts, wer weiß, wie die drauf ist. Schlägerei muss ja nicht sein, dazu ist es mir heute auch viel zu kalt hier. Oh, da ist ja auch ein Kontrabass… der sieht vielleicht komisch aus. Der ist so silberfarben und glitzert ganz doll. Aber er scheint nicht so wahnsinnig gut behandelt zu werden. Unten am Ende vom Griffbrett gibt es noch eine Strebe zum Korpus. Das sieht so aus, als würde der Lee ganz schön auf seinen Bass einprügeln. Vielleicht guckt der deswegen so unglücklich? Manchmal macht Jamie das ja auch, aber sein Bass sagt, dass das eigentlich nicht wehtut. Und die Mädels stehen ja drauf, wenn Jamie das macht. Der Bass mag es nur nicht, wenn Jamie auf ihm steht und dann mit ihm zusammen umkippt. Er hat dann immer Angst, dass er mal voll auf den Boden aufknallt und sich die Schnecke bricht.

Oh, die sind schon mit dem Soundcheck fertig, gleich geht’s los. Ich bin ja mal gespannt, wie das wird. Viel sehe ich jetzt nicht mehr, die haben zwischen dem Backstagebreich und der Bühne den Vorhang zugezogen. Aber ich glaube, ich habe Nini entdeckt. Ob die mir nachher mal Hallo sagen kommt? Ach schade, jetzt machen die hier auch die Tür zu… naja, da muss ich mal abwarten, bis das Konzert zu Ende ist. Das dauert bestimmt wieder zwei Stunden, aber in der Zeit kann ich ja schlafen. Wenn es nur nicht so kalt wäre hier drin…

Oh, da kommen die Jungs wieder. Jetzt bin ich mal gespannt, was so berichtet wird. Der Wolff sieht gar nicht gut aus, der hat bestimmt immernoch Fieber. Was hat Jamie denn da in der Hand? So kleine runde Teile in schwarz und weiß… kann man das essen? Er nennt das “Button”. Ui, er sagt, die Nini hat die gemacht! Dann sind die bestimmt toll. Aber was macht man mit Buttons? Vielleicht sind das Kekse, die Nini kann doch toll backen.

Ha, ich wusste doch, dass sie herkommt. Sie soll aufpassen, sagt der Wolff, es ist glatt. Hm, die Menschen sind komisch. Wieso tun die Eis auf Stufen? Jetzt reden die irgendwas über eine CD und Fotos. Joe sagt zu Nini, dass sie bestimmt nur gekommen ist, weil sie das Schaf sehen will. Und Nini sagt: “Stimmt ja gar nicht!” Sagt sie das auf deutsch, damit der Joe sie lieber nicht versteht? Und meint der Joe etwa mich? Ich bin kein Schaf, das Schaf haben die doch längst von mir weggemacht. Naja, die Nini weiß das, sie sagt bestimmt deswegen, dass sie kein Schaf sehen will. Ich zwinker ihr mal zu…

*gähn* boah, ich bin soooo müde. Ich glaube, ich lasse mir erst morgen erzählen, was auf der Bühne so passiert ist. Gute Nacht.

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